Pisano


Pisano
Pisano,
 
1) Andrea, italienischer Goldschmied, Bildhauer und Baumeister, * Pontedera zwischen 1290 und 1295, ✝ Orvieto zwischen 26. 8. 1348 und 19. 7. 1349, Vater von 5). Sein einziges gesichertes Werk ist die älteste Bronzetür des Florentiner Baptisteriums mit Darstellungen aus dem Leben Johannes' des Täufers sowie (in der unteren Reihe) acht thronenden Tugenden (1330-36), ein Höhepunkt der Florentiner Skulptur im Trecento. In seinem Reliefstil verbinden sich sienesische, vielleicht auch französische Einflüsse mit den Ausstrahlungen Giottos, dessen Nachfolger als Dombaumeister er 1337-43 war; die sechseckigen Marmorreliefs am Untergeschoss des Campanile werden ihm zugeschrieben (wohl ab 1334 in Arbeit; Originale heute im Dommuseum); um 1347 als Dombaumeister in Orvieto nachweisbar. Zugeschrieben werden ihm heute von den lange zwischen ihm und seinem Sohn Nino umstrittenen Marmorbildwerken v. a. die Marmorhalbfigur der Madonna del Latte (nach 1340) für Santa Maria della Spina in Pisa (heute im Museo Nazionale di San Matteo) und weitere Figuren der Kirche.
 
 
G. Kreytenberg: A. P. u. die toskan. Skulptur des 14. Jh. (1984);
 A. F. Moskowitz: The sculpture of A. and Nino P. (Cambridge 1986).
 
 2) Antonio, italienischer Maler und Medailleur, Pisanello.
 
 3) Giovanni, italienischer Bildhauer und Baumeister, * Pisa (?) zwischen 1245 und 1250, ✝ Siena (?) bald nach 1314, Sohn von 4); Schüler seines Vaters, an dessen Kanzel in Siena er mitarbeitete. Reisen nach Reims und Paris sind anzunehmen (zwischen 1270/80), da er offenbar von französischer Bauplastik beeinflusst war (Elfenbeinmadonna, 1299; Pisa, Museo Nazionale di San Matteo). Ein gemeinsames Werk von Vater und Sohn ist der Brunnen (Fontana Maggiore, 1277/78) in Perugia. Seit 1284 war Pisano an der Fassade des Sieneser Domes tätig, wurde dort Dombaumeister und siedelte 1297 in gleicher Funktion nach Pisa über. Seine Statuen für die Sieneser Fassade (heute Dommuseum) gehören ebenso wie die beiden anschließend für Sant'Andrea, Pistoia (1301 vollendet) und den Pisaner Dom (1302-12) geschaffenen Kanzeln mit ihren Reliefs zu den Hauptwerken mittelalterlicher Skulptur. Er entwickelte einen individuellen Reliefstil, in dem die dreidimensional greifbare Erscheinung der Figur einem erregten Linienrhythmus untergeordnet wird. Seine Portalstatuen entfalten sich frei im Raum stehend, bewegt und erfüllt von intensiver Ausdrucks- und Gefühlskraft. Pisano schuf auch eine Reihe marmorner Madonnen in Pisa, Padua (Arenakapelle) und Prato (Madonna della Cintola, die als sein letztes Werk gilt).
 
 
M. Ayrton: G. P. Bildhauer (a. d. Engl., 1970);
 G. L. Mellini: G. P. (Mailand 1970);
 E. Carli: G. P. (Pisa 1977);
 E. Carli: G. P. Il pulpito di Pistoia (Mailand 1986).
 
 4) Niccolò (Nicola), italienischer Bildhauer, * in Apulien (?) um 1225, ✝ Pisa (?) bald nach 1278, Vater von 3); einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer des Mittelalters, kam wohl im Umkreis des Stauferkaisers Friedrich II. mit Werken der Antike in Berührung; tätig in der Toskana, dort seit 1258 nachweisbar. Seine Kanzel im Pisaner Baptisterium (1260 signiert) verbindet über die Zisterzienser vermittelte gotische Formen (es erscheinen erstmals in Italien im gotischen Sinn gestaltete Gewandfiguren) und das Bildprogramm der französischen Gotik mit Vorbildern antiker Sarkophagreliefs. Das Bild des Menschen und seiner irdischen Umgebung wird für Pisano in einem dem Mittelalter sonst unbekannten Maß darstellungswürdig. In der Sieneser Domkanzel (1265-67) wandelt sich sein Reliefstil zu erzählerischen Reichtum und dramatischen Zuspitzung der Szenen und wird zum Ausgangspunkt für seinen Sohn Giovanni, der ebenso wie Arnolfo di Cambio an ihr beteiligt war. Waren die Pisaner Reliefs klar begrenzt, ziehen sie sich jetzt wie ein einziger Fries um die Brüstung der Kanzel. Seit 1265 war Pisano an dem Statuenschmuck des Pisaner Baptisteriums tätig. Aus seiner Werkstatt stammt die Arca (Grabmal) di San Domenico (1264-67; Bologna, San Domenico; mit Bekrönung von Niccolò dell'Arca).
 
 
J. Poeschke: Die Sieneser Domkanzel des Nicola P. (1973).
 
 5) Nino, italienischer Bildhauer, * Pisa (?) um 1315, ✝ ebenda (?) vor dem 8. 12. 1368, Sohn und Schüler von 1); seit 1349 Nachfolger seines Vaters als Dombaumeister in Orvieto. Nur drei Werke sind gesichert: Madonna in Santa Maria Novella, Florenz; Bischofsstatue in San Francesco in Oristano; Madonna über dem Wandgrabmal des Dogen Marco Cornaro in Santi Giovanni e Paolo, Venedig. Andere Arbeiten waren oder sind zwischen ihm und seinem Vater umstritten; zugeschrieben werden ihm heute die Verkündigungsgruppe (um 1360) für San Zeno (seit 1480 in Santa Caterina, Pisa), das Grabmal des Erzbischofs Simone Saltarelli (✝ 1342) in Santa Caterina, Pisa, und das Grabmal des Erzbischofs Giovanni Scarlatti (✝ 1362) auf dem Camposanto Monumentale von Pisa. Sein gotisches Werk hat nachhaltig auf die oberitalienische, speziell venezianische Skulptur des späten Trecento eingewirkt.
 
Literatur: Pisano 1).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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